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Digitalisierung

Tierarztsoftware im Vergleich: 6 Kriterien, die 2026 wirklich zählen

Petflare Ratgeber7 Min Lesezeit
Checkliste mit sechs Bewertungskriterien für Tierarztsoftware, daneben ein Score-Raster zum Ausfüllen

Warum ein Namens-Vergleich wenig bringt

Wer „Tierarztsoftware Vergleich" sucht, hofft meist auf eine Tabelle mit Anbieternamen und Kreuzchen. Das Problem: Anbieter aktualisieren Funktionen laufend, Preise ändern sich, und ein Vergleich von letztem Jahr ist in diesem Jahr schon wieder falsch. Ein Praxisprogramm zu wählen ist außerdem eine mehrjährige Entscheidung – Migration kostet Zeit, ein Wechsel nach zwölf Monaten ist ärgerlich.

Sinnvoller ist ein Kriterienraster, das du selbst mit jedem Anbieter durchgehst, den du dir ansiehst. Dieser Artikel liefert sechs Kriterien, die sich aus rechtlichen Vorgaben (GOT, DSGVO) und praktischer Erfahrung aus über 180 begleiteten Praxen ergeben – unabhängig davon, welche Software am Ende gewinnt.

Kriterium 1: Cloud oder On-Premise – und was DSGVO-konform bedeutet

Die erste Weichenstellung ist technisch: läuft die Software im Browser (Cloud/SaaS) oder auf einem lokalen Server in der Praxis (On-Premise)? Cloud-Lösungen brauchen keine eigene IT-Wartung und sind von jedem Gerät erreichbar, On-Premise-Systeme laufen auch ohne Internetverbindung weiter.

Bei Cloud-Software ist die Datenschutz-Prüfung Pflicht, nicht Kür. Zwei Punkte gehören auf jede Checkliste:

  • Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV): Nach Art. 28 DSGVO muss jeder Anbieter, der personenbezogene Daten in deinem Auftrag verarbeitet, einen AVV anbieten. Ohne AVV ist die Nutzung nicht DSGVO-konform – unabhängig davon, wie gut die Software sonst ist.
  • Serverstandort: Server innerhalb der EU sind Pflicht, Server in Deutschland (z. B. bei deutschen Rechenzentrumsbetreibern) reduzieren zusätzlich den Prüfaufwand bei Drittlandtransfers.

Kriterium 2: Ist die GOT wirklich aktuell hinterlegt?

Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) ist eine Rechtsverordnung des Bundes, zuletzt in Kraft getreten am 15.08.2022 (BGBl. I S. 1401) und geändert durch Verordnung vom 15.03.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 70). Sie regelt nicht nur die Gebührensätze, sondern auch den Bemessungsrahmen: Nach § 2 Absatz 1 GOT liegt jede Gebühr zwischen dem einfachen und dreifachen Satz, bemessen nach Schwierigkeit, Zeitaufwand, Tageszeit, Wert des Tieres und örtlichen Verhältnissen.

Für die Software-Auswahl heißt das konkret:

  • Ist der volle Gebührenkatalog der GOT 2022 hinterlegt, inklusive Nacht-, Wochenend- und Feiertagszuschlägen nach § 2 Absatz 2 GOT (Nacht: 18–8 Uhr, Wochenende: freitags 18 Uhr bis montags 8 Uhr, Feiertag: 0–24 Uhr)?
  • Wie schnell spielt der Anbieter Novellen ein, wenn sich die GOT ändert? Frag nach der Historie: Wie lange hat die letzte Aktualisierung gedauert?
  • Lässt sich der Faktor (1- bis 3-fach) pro Position frei wählen, oder ist er auf den einfachen Satz fixiert?

Eine Software, die nur den einfachen Satz kennt, zwingt dich, Faktor-Erhöhungen manuell zu dokumentieren – das kostet in der Praxis mehr Zeit als jede andere Funktion einzusparen vermag.

Kriterium 3: Funktioniert die Software auch außerhalb der Praxis?

Hausbesuche, Stallvisiten und Notdienste laufen ohne stabiles WLAN. Relevante Prüffragen:

  • Läuft die Software auf Tablet und Smartphone, oder nur auf einem stationären Rechner?
  • Was passiert bei schwachem oder fehlendem Netz – wird lokal zwischengespeichert und später synchronisiert, oder ist die Eingabe komplett blockiert?
  • Ist die Bedienung für Touch optimiert, oder eine unveränderte Desktop-Oberfläche, die auf dem Tablet klein und fehleranfällig wirkt?

Gerade Pferdepraxen und mobile Kleintierdienste sollten diesen Punkt vor Vertragsschluss real testen – am besten mit einem Termin im Stall oder auf dem Hof, nicht nur im Büro mit vollem WLAN-Empfang.

Kriterium 4: Wie läuft die Datenübernahme aus der alten Software?

Migration ist der Punkt, an dem die meisten Praxen zögern. Fragen für den Anbieter:

  • Werden Patientendaten, Karteikarten und offene Termine automatisiert importiert (CSV/API) oder musst du manuell nacherfassen?
  • Prüft der Import auf Dubletten, bevor Daten übernommen werden?
  • Wie lange dauert ein typischer Umstieg – Tage oder Wochen? Gibt es eine Phase mit Parallelbetrieb?

Ein realistischer Richtwert aus der Praxis: Datenübernahme inklusive Testlauf sollte innerhalb von ein bis zwei Wochen abgeschlossen sein. Zieht sich der Prozess über einen Monat, bindet das unnötig Team-Kapazität.

Kriterium 5: Ist das Preismodell wirklich transparent?

Ein seriöses Angebot beantwortet vier Fragen ohne Umschweife:

  1. Was kostet der Einstieg pro Monat, und für wie viele Nutzer:innen gilt dieser Preis?
  2. Was kostet jeder weitere Behandelnde zusätzlich?
  3. Gibt es eine Einrichtungsgebühr?
  4. Wie lange ist die Mindestvertragslaufzeit, und wie kündigst du?

Zum Vergleich ein reales Beispiel: Petflare startet bei 49 Euro pro Monat für eine Einzelpraxis (Starter-Tarif), der Pro-Tarif für Teams liegt bei 89 Euro, jeder weitere Behandelnde kostet 39 Euro zusätzlich – ohne Einrichtungsgebühr, mit 30 Tagen kostenlosem Test ohne Kreditkarte. Nutze solche Zahlen als Referenzrahmen: Liegt ein Angebot deutlich darüber, sollte der Mehrwert klar benennbar sein (mehr Funktionen, besserer Support, zusätzliche Module) – sonst zahlst du für Marke statt Funktion.

Kriterium 6: Wie sieht Support in der Praxis aus, nicht nur im Prospekt?

Support entscheidet sich am Ausfalltag, nicht beim Verkaufsgespräch. Prüf konkret:

  • Über welche Kanäle ist Support erreichbar (E-Mail, Telefon, Chat), und zu welchen Zeiten?
  • Gibt es eine dokumentierte Reaktionszeit, oder nur ein „schnellstmöglich"?
  • Läuft die Migration mit persönlicher Begleitung, oder bekommst du nur eine Anleitung zum Selbststudium?

Score-Tabelle zum Selbst-Ausfüllen

Trag für jeden Anbieter, den du dir ansiehst, eine Bewertung von 1 (schwach) bis 5 (stark) ein. Das Ergebnis ist kein Ranking Dritter, sondern deine eigene, nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage.

KriteriumAnbieter AAnbieter BAnbieter C
Cloud + AVV + Serverstandort EU/DE
GOT 2022 vollständig, Faktor frei wählbar
Mobil/Tablet-tauglich, offline-fähig
Migration: automatisiert, Dubletten-Check
Preistransparenz (Einstieg, Zusatzkosten, Laufzeit)
Support: Kanäle, Reaktionszeit, Migrationsbegleitung
Summe

Häufige Fragen

Ist eine teurere Tierarztsoftware automatisch besser? Nein. Der Preis korreliert nicht zuverlässig mit Funktionsumfang oder Bedienbarkeit. Nutze die sechs Kriterien statt der Preisliste als ersten Filter, und vergleiche den Preis erst danach zwischen den Anbietern, die inhaltlich überzeugen.

Lohnt sich ein Wechsel mitten im Geschäftsjahr? Technisch ja, wirtschaftlich meist auch – wenn die Migration wie in Kriterium 4 beschrieben sauber läuft. Der GOT-Rechnungsstichtag ist kein Hindernis, da offene Rechnungen im Altsystem abgeschlossen und neue im neuen System begonnen werden können.

Brauche ich unbedingt eine Cloud-Lösung, oder reicht On-Premise? Das hängt von deiner Praxisstruktur ab. Einzelpraxen ohne Hausbesuche kommen mit On-Premise zurecht, sofern jemand die IT-Wartung übernimmt. Mobile Praxen, Multi-Standort-Praxen und alle, die ohne eigene IT-Abteilung arbeiten, fahren mit Cloud-Software in der Regel einfacher.

Was, wenn ein Anbieter keinen AVV anbietet? Dann ist die Nutzung nicht DSGVO-konform – unabhängig von Funktionsumfang oder Preis. Ein AVV nach Art. 28 DSGVO ist keine Kür, sondern gesetzlich vorgeschrieben, sobald der Anbieter personenbezogene Daten in deinem Auftrag verarbeitet.

Fazit

Ein Namens-Ranking veraltet, sobald ein Anbieter ein Update ausliefert. Die sechs Kriterien in diesem Artikel bleiben stabil, weil sie auf gesetzlichen Vorgaben (GOT, DSGVO) und praktischen Anforderungen des Praxisalltags basieren. Nimm dir für die Score-Tabelle 30 Minuten pro Anbieter – das ist die beste Zeit, die du in eine mehrjährige Software-Entscheidung investieren kannst.

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