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Branchenwissen

Tierärztestatistik 2025: weniger Niederlassungen

Petflare Ratgeber6 Min Lesezeit
Liniendiagramm mit zwei sich kreuzenden Kurven, symbolisiert Niedergelassene und Angestellte Tierärzt:innen

Die Zahlen, die jede Praxisinhaberin betreffen

Am 1. Juni 2026 hat die Bundestierärztekammer (BTK) ihre Tierärztestatistik 2025 veröffentlicht. Die Kernaussage im Titel der eigenen Pressemitteilung: „Mehr Tierärzt:innen – aber weniger Selbstständige." Für Praxisinhaber:innen ist das keine abstrakte Verbandsstatistik, sondern eine Zahl mit direkten Folgen: Wer eine Praxis übergeben will, findet einen Markt vor, in dem sich immer weniger Kolleg:innen für die eigene Niederlassung entscheiden. Dieser Artikel ordnet die aktuellen Zahlen und den langfristigen Trend ein – ausschließlich mit belegbaren Quellen, ohne eigene Hochrechnungen.

Die Tierärztestatistik 2025 im Überblick

Zum 31. Dezember 2025 waren laut BTK 46.089 Tierärzt:innen Mitglied einer Landes- oder Tierärztekammer – 444 mehr als im Vorjahr. Der Frauenanteil lag bei 66,8 Prozent, unter den aktiv tierärztlich Tätigen sogar bei 71,7 Prozent. Wachstum allein sagt aber wenig über die Versorgungslage aus. Entscheidend ist die Verschiebung zwischen den Arbeitsformen:

  • Niedergelassene: 11.216 (2025) gegenüber 11.264 (2024) – ein Rückgang um 48
  • Angestellte: 12.125 (2025) gegenüber 11.990 (2024) – ein Anstieg um 135

In der Mehrzahl der Kammerbereiche war die Zahl der Tierarztpraxen 2025 rückläufig, während die Zahl der tierärztlichen Kliniken weitgehend stabil blieb. Gleichzeitig stieg die Zahl der Kammermitglieder ab 60 Jahren erneut. Die BTK verbindet das ausdrücklich mit der Nachfolgefrage: Wenn Praxen keine Nachfolge finden, kann das laut BTK-Präsident Dr. Holger Vogel „regional zu Versorgungsengpässen führen – insbesondere in ländlichen Räumen und in der Nutztierpraxis". Wichtig für die Einordnung: Die BTK selbst zieht daraus keinen Schluss auf einen bundesweit einheitlichen Tierärztemangel. Sie spricht stattdessen von strukturellen Herausforderungen – weniger Selbstständigkeit, regionale Unterschiede, eine alternde Berufsgruppe und wachsende Anforderungen an Arbeitszeitmodelle, Notdienst und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Der 20-Jahres-Trend: kein Ausreißer, sondern eine Linie

Die aktuellen Zahlen sind kein Einzeljahr-Ausschlag. Susanne L. Platt und Katharina Freytag haben im Deutschen Tierärzteblatt (2024;72(8):985–987) die Entwicklung der letzten 20 Jahre ausgewertet und die Jahre 2003, 2013 und 2023 verglichen. Drei Befunde daraus, die den aktuellen Trend erklären:

Der Beruf ist weiblich geworden. 2003 waren 14.425 Tierärztinnen registriert, 2023 mit 29.693 fast doppelt so viele. Die Mehrheit der Berufsgruppe ist seit 2008 weiblich. Die Zahl der männlichen Kollegen nahm im selben Zeitraum um 2.221 Personen ab – nur mäßig, aber stetig.

Angestellte haben die Niedergelassenen 2023 eingeholt. Über die 20 Jahre ist die Zahl der Angestellten kontinuierlich gestiegen und hat 2023 die Zahl der Niedergelassenen erreicht. Darin enthalten sind laut den Autorinnen auch ehemals Niedergelassene, die ihre Praxis verkauft haben.

Der Rückgang beschleunigt sich. Im Jahresvergleich 2022/2023 verloren die Niedergelassenen 306 Personen – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresvergleich 2021/2022 mit 146. Platt und Freytag vermuten einen Zusammenhang mit dem Verkauf von Praxen an sogenannte Ketten, weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass ihnen dazu aktuell keine belastbaren Zahlen vorliegen.

Ein weiterer Befund: Die Zahl der Angestellten im öffentlichen Dienst ist über die 20 Jahre kontinuierlich gestiegen, besonders seit 2013 – ein zusätzlicher Sog aus der kurativen Praxis heraus.

Was das für deine Praxis bedeutet

Aus beiden Quellen lassen sich drei praktische Konsequenzen ableiten, ohne über die Daten hinauszugehen:

Nachfolge wird zum Wettbewerbsthema. Wenn ein sinkender Anteil des Nachwuchses überhaupt eine eigene Niederlassung anstrebt, wird die Suche nach einer Übernehmer:in bei alternder Inhaberschaft schwieriger. Wer eine Praxis in den nächsten Jahren übergeben will, sollte die Vorbereitung – saubere, migrationsfähige Patientendaten, dokumentierte Prozesse, ein System, das eine neue Inhaberin ohne Monate Einarbeitung übernehmen kann – nicht erst beim Verkaufsgespräch beginnen.

Angestellte Tierärzt:innen sind die wachsende Zielgruppe. Die BTK nennt „planbare Arbeitszeiten" und „moderne Praxis- und Kooperationsmodelle" ausdrücklich als Hebel, um tierärztliche Tätigkeit attraktiv zu halten. Für Praxisinhaber:innen, die Personal binden oder gewinnen wollen, heißt das: Arbeitsbedingungen und Werkzeuge werden Teil des Arbeitgeber-Angebots, nicht nur das Gehalt.

Notdienst- und Versorgungsstrukturen brauchen mehr Koordination. Weniger Niedergelassene bei stabiler Klinikzahl bedeutet: Die verbleibenden Praxen und Kliniken tragen den Notdienst auf mehr Schultern verteilt oder konzentrierter – je nach Region unterschiedlich. Beides erfordert bessere Abstimmung zwischen Behandler:innen, Standorten und Diensten, als eine einzelne Praxis mit Zettel-Dienstplan leisten kann.

Checkliste: Auf den Trend reagieren

  • Patientendaten und Dokumentation so führen, dass eine Übergabe technisch keine Hürde ist
  • Arbeitszeitmodelle für Angestellte transparent und planbar gestalten – als Argument im Bewerbungsgespräch
  • Notdienst- und Vertretungsregelungen mit Nachbarpraxen oder im Team digital statt auf Zuruf organisieren
  • Bei Kooperationen oder mehreren Standorten: eine Software nutzen, auf die alle Behandler:innen ortsunabhängig zugreifen können
  • Nachfolgeplanung frühzeitig beginnen, nicht erst beim Ruhestand

Häufige Fragen

Bedeuten die Zahlen einen flächendeckenden Tierärztemangel? Nein, das sagt die BTK selbst ausdrücklich nicht. Die Statistik zeigt strukturelle Verschiebungen (weniger Selbstständigkeit, alternde Berufsgruppe, regionale Unterschiede), aber keinen bundesweit einheitlichen Mangel an Tierärzt:innen.

Warum sinkt die Zahl der Niedergelassenen, obwohl die Gesamtzahl der Tierärzt:innen wächst? Weil das Wachstum überwiegend in angestellte Tätigkeiten fließt – in der Praxis, im öffentlichen Dienst, in Privatwirtschaft und Industrie. Die BTK-Statistik 2025 zeigt das direkt: Angestellte plus 135, Niedergelassene minus 48 im Jahresvergleich.

Was ist der vermutete Haupttreiber für den beschleunigten Rückgang der Niedergelassenen seit 2022/2023? Platt und Freytag (Deutsches Tierärzteblatt, 2024) vermuten den Verkauf von Praxen an Ketten als einen Faktor, weisen aber selbst darauf hin, dass dazu keine gesicherten Zahlen vorliegen. Das ist eine begründete Einschätzung, kein belegter Kausalzusammenhang.

Woher stammen die Daten der Tierärztestatistik? Aus den Mitgliederverwaltungssystemen der 17 Landes-/Tierärztekammern, jährlich im Auftrag der BTK zusammengestellt und im Deutschen Tierärzteblatt veröffentlicht. Die Zahlen zu Studierenden kommen direkt von den veterinärmedizinischen Bildungsstätten.

Fazit

Die Tierärztestatistik 2025 bestätigt einen Trend, der seit rund 20 Jahren läuft und sich zuletzt beschleunigt hat: weg von der eigenen Niederlassung, hin zu angestellter Tätigkeit. Für Praxisinhaber:innen heißt das nicht Panik, sondern Vorbereitung – bei der Nachfolge, bei den Arbeitsbedingungen für Angestellte und bei der technischen Grundlage, auf der beides überhaupt funktioniert.

Quellen:

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